Speichen ABC

A

Artillerieräder

Frühe Automobile waren oft wie Kutschen mit stahlverstärkten Holzspeichenrädern, sogenannten Artillerierädern, ausgerüstet, mit meist acht bis zwölf Speichen pro Rad. Die Speichen waren anfangs fest mit der Nabe verbunden. Das war unpraktisch, weil ein Reifenwechsel direkt am Fahrzeug vorgenommen werden musste und ein Radbruch nur mit großem Aufwand vor Ort zu reparieren war. Man behalf sich erst mit abnehmbaren Felgen und führte einen oder mehrere davon mit montierten Reifen als Ersatz mit.

Auswuchten

Das Auswuchten von Rädern kann dynamisch oder statisch erfolgen. Dabei findet das statische Auswuchten bei einer Vielzahl von Zweirädern statt. Hingegen werden alle Autoräder dynamisch ausgewuchtet.

  • Bei der statischen Unwucht ist die Unwuchtmasse gleichmäßig in der Radmitte parallel zur Drehachse verlagert. Das Rad hat somit eine schwerere und eine leichtere Radhälfte und neigt in der Rotation zum Springen.
  • Die dynamische Unwucht kann nur in Rotation gemessen werden. Die Unwuchtmasse ist außerhalb der Radmitte ungleichmäßig auf beiden Radseiten verteilt. Das Rad neigt in der Rotation zu einer Taumelbewegung.
Axialkräfte

Axialkräfte kommen hauptsächlich im Autobereich und im Motorrad-Gespannbetrieb vor und beschreiben seitlich aufkommende Kräfte.

Axialwinkel

Axialwinkel am Speichenrad bezeichnet den Verlauf der Speichen vom Felgeninneren zum Nabenäußeren.

B

Biegewinkel

Der korrekte Biegewinkel ist für einen möglichst geradlinigen Verlauf der Speiche vom Nabenaustritt zur Felgen verantwortlich. Ist der Biegewinkel nicht korrekt, neigt die Speiche zum „Durchbiegen“. Entscheidend hierbei ist hier die nabenbedingte Konstruktion mit Flanschbreite und Flanschschräge. In der Regel werden Innenspeichen und Außenspeichen benötigt. Innenspeichen werden von außen durch die Löcher des Nabenflansches eingeführt und sind standardmäßig ca. 95°. Außenspeichen sind in der Regel ca. 85° und werden von innen durch die Löcher des Nabenflansches eingeführt.

Bruchdehnung A

Der Kennwert für die Größe der Verformung der Probe.

Brucheinschnürung Z (Reduction of Area)

Beim Zugversuch tritt nach dem Erreichen der Zugfestigkeit bei duktilen Werkstoffen eine örtliche Einschnürung auf, in deren Bereich dann auch der Bruch erfolgt.

D

Dehngrenze Rp0,2 (Proof Strength / Yield Strength)

Die Dehngrenze ist eine Alternative zur Streckgrenze Re für verschiedene Materialien.

Drahtspeichenräder

Drahtspeichenräder wurden/werden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts für Automobile, Flugzeuge, Motorräder, Dreiräder, Fahrräder, Rikschas, Trikes und viele andere auch artfremde Anwendungszwecke verwendet. Der Begriff der Drahtspeichenräder wurde geboren, um sich von Holzspeichenräder abzugrenzen, da in der damaligen Zeit diese Variante die Radkonstruktion revulotionierte.

E

Elektromobilität


Verschiedenste Konstruktionen finden immer größeren Einzug in die Gesellschaft. Hierbei werden Motoren sowohl im Rad als auch im Rahmen von Elektrobikes und Elektrofahrrädern verbaut. Dabei werden die Akkus immer kleiner und ebenfalls in möglichster Nähe zu den Motoren untergebracht. Durch das relativ große Drehmoment der Elektromotoren ist eine stabile Speiche erforderlich.

Einpresstiefe

Die Einpresstiefe bemisst beim Autospeichenrad den Abstand von Felgenaußenkante zu Auflage Nabe.

Einspeichen

Das Einspeichen eines Speichenrades geschieht in der Regel nach Vorgabe des Originals und ist größtenteils reine Handwerkskunst – mal abgesehen von der Bestückung in der Erstausrüstung. Sonderspeichungen durch Umbauten mit abweichender Felgengröße und Felgenbreite können das Speichenbild deutlich verändern. So werden z. B. klassische 40-Loch Harley-Räder durch 80-Loch-Räder modifiziert.

F

Felgen

Felgen hatten früher andere Bezeichnungen als heute. Ein Beispiel: Alt „WM3“ – Neu „2.15“

Felgenbohrungen

Die Felgenbohrungen sollten als Faustformel ca. 0,5mm größer als der Schaftdurchmesser des Nippels sein. Felgenbohrungen können differieren. Man unterscheidet z. B. A-Felgen und B-Felgen. Dabei ist die Anordnung spiegelverkehrt angeordnet und hat dann einen Einfluss, wenn z. B. gerade Speichen oder Konstruktionen mit 2 Einhängeseiten verbaut werden. Sonderlochungen wie z. B. bei Autofelgen oder Motorradmarken wie BMW R50, Triumpf TT oder Zündapp KS601 sind und waren möglich.

Felgenbreite

Die Felgenbreite ist der Abstand zwischen beiden Felgenhörnern und wird in der Regel in Zoll gemessen.

Felgenformen

Flachschulterfelgen, Hochschulterfelgen, Wulstfelgen, Hohlkammerfelgen. Verschiedenste Konturen innerhalb der Formen sind möglich; so z. B. Felgentyp MS, MT oder MTC.

Felgenhersteller

Felgenhersteller sind z. B. Morad/Akront, Radelli, Excel, ERWE, Behr, SanRemo, TTS, D.I.D

Felgenmaterial

Das Felgenmaterial besteht zumeist aus Stahl, Edelstahl oder Aluminium.

Felgenumfang

Der Felgenumfang wird auf der Felgenschulter (Drahtauflage) gemessen.

Flugzeuge

Flugzeuge wurden bis in die 20er Jahre mit Speichenrädern ausgerüstet.

G

Gleichmaßdehnung A g

Die ist beim Zugversuch die auf die Anfangsmesslänge bezogene plastische Längenänderung.

H

Hakenlänge

Die korrekte Hakenlänge erkennt man an einer möglichst eng anliegenden Speiche bei Austritt aus der Nabe zum Verlauf zur Felge auf der Nabenoberseite (Flanschschräge). Der Hinterkopfwinkel der Speiche muss sich möglichst saugend in die Nabensenkung einfügen.

K

Karkasse

Die Karkasse ist der Festigkeitsträger des Reifens und verleiht dem Reifen seine Form. Als Material kommen eine oder mehrere Lagen Nylon, Rayon oder Kevlar zum Einsatz.

Kreuzspeichenräder

Die Kreuzspeichenräder stellen eine relativ neue Speichenradkonstruktion dar. Seit Mitte der 80er Jahre hatte man bei BMW eine Möglichkeit gefunden, schlauchlose Speichenräder zu nutzen. Dazu liegt der Speichenkopf einer geraden Speiche außen im Felgenhorn. Der Speichennippel ist auf der Nabenseite verbaut und wird mit einem Torx angetrieben; damit lässt sich das Kreuzspeichenrad von der Nabenseite her zentrieren – hier ist der klassische Speichenschlüssel nicht zu gebrauchen. Durch diese Konstruktion kann keine Luft durch die sonst üblicherweise in der Mitte angeordneten Punzungen/Bohrungen entweichen. Der Begriff Kreuzspeichenrad leitet sich von dem Speichenbild dieser Konstruktion ab. Hierbei kreuzen sich die Speichen zwischen den einzelnen Ebenen; dies ist beim klassischen Speichenradbau nicht der Fall.

Kreuzungszahl

Die Kreuzungszahl im Speichenrad ist das Kreuzen zweier Speichen in einer Ebene.

L

Lochkreisdurchmesser

Der Lochkreisdurchmesser ist bei der Nabe der Abstand von Speicheneinhängung zur gegenüberliegenden Seite der Speicheneinhängung.

Lochzahl

Die Lochzahl eines Speichenrades differiert je nach Anwendungszweck erheblich. Gängige Lochzahlen eines Speichenrades sind 28, 32, 36, 40, 48, 60, 72 und 84 Loch.

Logos

Die Logos aller namhafter Speichenhersteller sind entweder auf dem Speichenkopf oder an der Seite unterhalb des Speichenkopfes angebracht.

Luftdruck

Falscher Luftdruck ist die Ursache der meisten Reifenschäden.

N

Nachzentrieren

Nachzentrieren von eingebauten Speichen ist nach einer gewissen Fahrleistung in Abhängigkeit der Fahreigenschaften zwingend erforderlich. Als Richtwert gelten hier ca. 500-1000 km. Bitte beachten Sie auch die Angaben der Fahrzeughersteller.

P

Pflege

Die Pflege des Speichenrades muss bei Kontakt mit Streusalz oder ähnlich aggressiven Materialien umgehend erfolgen. Entsprechende schonende Reinigungsmittel sind zu verwenden.

Punzungen

Punzungen sind die kreisrunden Erhöhungen in der Felge, die man Mitte/Ende der 1920er Jahre erfand, um die Speichen in größeren Winkeln einbauen zu können um damit eine höhere Stabilität erzielen zu können. Bevor man Punzungen kannte, waren die Naben eher klein ausgelegt, damit beim Austritt des Nippels aus der Felge ein möglichst gerader Abgang entstand.

R

Radgeschichte

Bereits im alten Ägypten vor mehr als 3000 Jahren kannte man Speichenräder. Sie lösten nach und nach die Scheibenräder ab. Die Konstruktion dieser ersten Speichenräder war so ausgelegt, dass im Gegensatz zu modernen Rädern die verwendeten Speichen auf Druck belastet wurden. Dadurch mussten die Speichen sehr stabil ausgelegt werden ( das heutige Gußrad). Dies änderte sich erst zum Ende des 19. Jahrhunderts mit der Einführung der Tangentialspeichung. Bei diesem Prinzip werden die Speichen auf Zug belastet. Da das verwendete Material weit mehr zugstabil als druckstabil ist, war der Weg für leichtere Konstruktionen frei. Damit konnten die Speichenräder leichter und filigraner ausgeführt werden.

Radverschluss

Als Radverschluß wurden zu Beginn des Einsatzes von Speichenrädern viele Varianten ausprobiert; so z. B. die der Fa. Brevet SCAT.

Radialwinkel

Der Radialwinkel am Speichenrad bezeichnet den Speichenverlauf beim Austritt von der Felge zur Nabe hin betrachtet.

Reifen

Arten von Reifen sind z. B. Diagonal-Reifen, Diagonal-Gürtelreifen, Radialreifen mit Nullgrad-Stahlgürtel.

Reifengrössen

Reifengrößen (Zoll zu metrisch) können in Umrechnungstabellen ermittelt werden.

Reifenlagerung

Die Lagerung von Reifen sollte möglichst dunkel, trocken, kühl und mäßig belüftet erfolgen.

Reifenlaufrichtung

Die Reifenlaufrichtung muss unbedingt beachtet werden.

Reifenprofil

Reifen müssen gemäß §36 Abs.2 StVZO eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm aufweisen. Bei Fahrrädern mit Hilfsmotor, Kleinkrafträdern und Leichtkrafträdern beträgt die Mindestprofiltiefe 1,0 mm.

Reifentragfähigkeit

Die den verschiedenen Reifenausführungen zugeordneten Höchstgeschwindigkeiten müssen eingehalten werden.

S

Speichenbemassungen

Bei den Speichenbemassungen haben Biegewinkel und Hakenlänge neben Material und Verarbeitung den entscheidenden Einfluss auf die Haltbarkeit eines Speichenrades.

Speichenbruch

Beim Speichenbruch einzelner Speichen sollte das gesamte Laufrad umgehend von einer Fachwerkstatt überprüft werden. In der Regel deutet dies auf ein Ungleichgewicht im Speichenrad hin, dass sich in weiteren Speichenbrüchen äußern wird. Ein Austausch der Speichen ist umgehend vorzunehmen. Die Reparatur von einzelnen Speichen wird das Ungleichgewicht nicht beseitigen können.

Speichenebenen

Speichenebenen können je nach Anwendungszweck differieren. Hier sind bis zu 6 Ebenen möglich. Standardmäßig kommen im Motorradbereich 2 Ebenen zur Anwendung.

Speichenformen

Speichenformen sind vielfältig: Glatte Speichen, einfach reduzierte Speichen, zweifach reduzierte Speichen, Doppeldickendspeichen, gezwirbelte Speichen, konische Speichen, Messerspeichen.

Speichenköpfe

Speichenköpfe sind von allen namhaften Speichenherstellern im Standard mit einem 90° Hinterkopfwinkel versehen.

Speichenlänge

Die Speichenlänge ist vom Lochkreidurchmesser der Nabe, des Felgendurchmessers und der Kreuzungszahl abhängig.

Speichenmaterial

Verwendung finden hauptsächlich Edelstahl- oder Stahlgüten. Ebenfalls werden Titanspeichen im Fahrradmarkt angeboten.

Speichenrechner

Speichenrechner im Internet: Bitte beachten Sie beim Benutzen der diversen Speichenrechner ggfs. die Ungenauigkeit wegen unterschiedlicher Punzungen, Lochkreisdurchmesser an Naben o. ä.

Stabilität

Die Stabilität eines Speichenrades entsteht aus einer Kombination vom Einsatz hochwertigen Materials, des korrekten Einspeichens unter Einhaltung der optimalen Speichenausführung und der möglichst optimal definierten gleichmässigen Spannung beim Zentrieren.

T

Tubeless

„Tubeless” ist die technische Bezeichnung für Schlauchlos-Reifen. TL Reifen können auch mit Schlauch montiert werden. Die Angaben des Herstellers sind zu beachten. Verschiedene Konturen sind möglich.

V

Ventil

Der Einbau eines neuen Ventils wird bei der Montage eines neuen Reifens empfohlen. Durch hohe Zentrifugalkräfte wird im Extremfall ein Ventil stark verbogen. Ventilkappe nicht vergessen; diese kann ggfs. einen Druckabfall verhindern. Die Ventilkontermutter ist nach dem Einbau wieder zu lösen, damit das Ventil nicht abreißen kann.

Versatz

Der Versatz bemisst beim Motorrad den Abstand von Felge zu Nabe. Dabei spielt die Frage eine Rolle, ob die Felge mittig oder außermittig zur Nabe eingespeicht wird (bitte vor dem Zerlegen vermessen!).

W

Wulst

Die Verbindung zur Felge wird über den Wulst hergestellt. Im Gummi eingebettete Stahldrähte (Wulstkern) machen ihn standfest. Die Karkassenden sind um den Wulstkern gelegt. So erhält der Reifen die gewünschte Steifigkeit im Wulstbereich.

Z

Zentralverschluss

Die Firma Rudge erfand in 1905 eine Möglichkeit, mit einer Zentralschraube die komplette Radmontage/Raddemontage als Speichenradbefestigung zu ermöglichen. Diese Konstruktion war neben den Klassikern der 20-30er Jahre mit Mercedes, Maybach, Jaguar und Horch zusehends bis in die 1960er Jahre ein Merkmal vieler sportlicher hochwertiger Fahrzeuge wie Ferrari, Aston Martin, Maserati, Iso, MG, Morgan, Austin–Healy und vieler mehr. In den 1920er und 1930er Jahren war es z. B. Mode, die Speichenräder unter einer Metallabdeckung zu verbergen, die mit dem gleichen Verschluss gesichert war, der auch das Rad hielt.

Zentrieren

Das Zentrieren eines Speichenrades nach dem Einspeichen erfordert sehr viel Erfahrung. Professionelle Räderbauer haben hier Jahrzehnte lange Erfahrungen eingebracht, um jedem Anwendungszweck die richtige gleichmäßige feste Spannung zukommen zu lassen. Wichtig sind hier möglichst geringer Seitenschlag und Höhenschlag. Idealerweise weisen Messuhren vom Nullpunkt 0,1-0,2 mm Abweichung aus. Je nach Zustand der Felge können hier deutlich höhere Abweichungen entstehen, welche aber nicht zwangsweise Einfluss auf die Fahreigenschaften und die Funktionalität haben müssen.

Zuganker

Zuganker als Sonderanwendungen wurden/werden für alle möglichen Bereiche verwendet.

Zugfestigkeit Rm (Tensile Strength)

Die Zugfestigkeit ist eine Werkstoffeigenschaft: die maximale mechanische Zugspannung, die der Werkstoff aushält, bevor er bricht/reißt.

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